Clemens Prüfer für Olympia nominiert!

Geschrieben von Andy. Veröffentlicht in Unsere "Ehemaligen"

Gleich drei ehemalige LAC-Athleten kämpften um die Teilnahme an den olympischen Spielen in Tokio: im Diskuswurf die Prüfer-Brüder Clemens und Henning (beide jetzt SC Potsdam) und im Marathon Tom Gröschel („Maratom“ / FiKo Rostock). Der zweimalige deutsche Marathonmeister verpasste die geforderte Norm von 2:11:30h knapp – steigerte sich aber im letzten Rennen auf eine neue persönliche Bestleistung von 2:12:45h. Auch für Henning Prüfer ist der „Tokio-Zug“ abgefahren: mit 65,26m fehlten am Ende ganze 74cm an der Norm. In der letzten Juni-Woche trat Henning noch bei drei Wettkämpfen an (u.a. in Schweden) – konnte aber seine Bestleistung nicht weiter steigern.

Seit dem 3.Juli steht es nun endgültig fest: Clemens Prüfer ist für das deutsche Olympiateam 2021 nominiert! Im Diskuswurf der Männer wurden drei Athleten ausgewählt, die die Olympianorm von 66m übertroffen haben. Am 30.Juli 2021 (vormittags) findet in Tokio der Vorkampf statt; sollte Clemens sich hier durchsetzen, tritt er am 31.Juli (Samstag) abends zum Finale im Olympiastadion an! Wir drücken schon mal die Daumen… und werfen einen Blick zurück auf die bisherige Karriere von Clemens:

Der 1997 geborene Clemens kam zusammen mit seinem ein Jahr älteren Bruder bereits mit 4 Jahren zum LAC Mühl Rosin. Hier legte er auch die Grundlagen für eine weitere Sportart, denn parallel zur Leichtathletik spielte Clemens aktiv Fußball beim PSV 90 Güstrow und entwickelte sich dort zu einer festen Größe im Abwehrbereich. Die ersten größeren Erfolge in der Leichtathletik stellten sich bereits 2005 ein: in der AK 8 gewann Clemens beim Ostseepokal zwei Disziplinen (Weitsprung und Schlagball) und stellte bei den Landesmeisterschaften den noch heute gültigen Altersklassen-Landesrekord im Dreikampf auf! Durch seine ausgeglichenen Leistungen in allen Disziplinen war Clemens regelmäßig in den Mehrkämpfen ganz vorne dabei. Im Sprint gelang ihm 2007 sogar der Sprung zum ISTAF-Supersprinterfinale, bei dem er 7. wurde.

Bis 2010 erkämpfte Clemens 41 Medaillen bei Landesmeisterschaften für den LAC – darunter waren 15 Landesmeistertitel! Noch heute hält Clemens insgesamt sieben Vereinsrekorde (2x Kugelstoßen, 5x Mehrkampf). Seine aktuelle Spezialdisziplin Diskus spielte in der LAC-Zeit noch keine Rolle: zweimal trat Clemens mit der 750g-Scheibe bei Wettkämpfen an; die Bestleistung von 30,52m aus 2010 deutete aber sein Talent an… Das wurde mit dem Wechsel zum SC Neubrandenburg intensiv gefördert: so steigerte sich Clemens mit dem 1kg-Diskus von 47,94m (2011) auf 61,88m in 2012! Bei den Deutschen Blockmeisterschaften gab es in diesem Jahr mit Silber auch das erste nationale Edelmetall im Block „Wurf“. 2013 erreichte Clemens die ersten Einzelmedaillen im Diskuswurf und wurde mit der Mannschaft des Sportgymnasiums Neubrandenburg Dritter bei den „Schülerweltmeisterschaften“!

Das Jahr 2014 wurde dann zum Highlight: neben drei deutschen Meistertiteln (U18: 2x Diskus, 1x Kugelstoßen), gewann Clemens in seinem ersten internationalen Wettkampf die Olympia-Trails in Baku und qualifizierte sich für die Olympischen Jugendspiele in Nanjing (China). Dort holte er die Silber-Medaille für Deutschland mit 63,52m. Die Leser der SVZ wählten ihn am Jahresende zum Nachwuchssportler des Jahres. Clemens war mittlerweile zusammen mit seinem Bruder zum SC Potsdam gewechselt und sammelte weiter fleißig Edelmetall bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. 2016 war er als Jahresweltbester großer Favorit bei den U20-Weltmeisterschaften – allerdings reichte es in Bydgoszcz „nur“ zu Platz 6. Nach Bronze 2017 bei den U23-Europameisterschaften sowie zwei weiteren deutschen Meistertiteln in der U23 (2017 und 2019) folgte der Wechsel ins Erwachsenenlager. Auch hier hatte Clemens einen Top-Einstand: bei den Deutschen Meisterschaften der Männer 2020 in Braunschweig wurde Clemens überraschend Deutscher Meister mit einer Weite von 62,97m. Endgültig geplatzt ist der Knoten im Erwachsenenbereich aber erst 2021: am 15.Mai gelang Clemens bei den Halleschen Werfertagen im ersten Versuch bereits eine neue persönliche Bestleistung von 65,82m – im dritten gar ein Wahnsinnswurf auf 67,41m, gleichbedeutend mit der Olympianorm! Eine Woche später untermauerte er diese Norm mit einem weiteren Wurf auf 66,29m in Neubrandenburg. Perfekt gemacht wurde die Nominierung endgültig mit dem Bronze-Rang bei den „Deutschen“ Anfang Juni in Braunschweig.

Im Dokumentarfilm „20 Jahre LAC“ erzählte Clemens, dass es sein Traum wäre „einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein…möglichst erfolgreich“. Die erste Hälfte des Traumes ist erfüllt – wenn er bis dahin verletzungsfrei trainieren kann, ist auch der zweite Teil möglich. Ein gutes Omen ist es auf jeden Fall, dass er bei der „kleinen“ Olympiade 2014 – ebenfalls in Asien – bereits auf dem Podest stand… 

Olympianominierung (Link zu leichtathletik.de)